Westfalenblatt berichtet über das QFC -Sommerferien Trainingslager

Kinder erlernen bei den Ferienspielen in Quernheim das Duell mit Degen und Florett

»Fechten ist Kopf- und Beinarbeit«

Anna Braune (15, links) und Miriam Thoma (17) fechten mit dem Degen gegeneinander. Die Westen und Masken sind kugelsicher, so dass auch durch einen Stich mit dem Degen keine Verletzungsgefahr für die Sportler besteht.
Anna Braune (15, links) und Miriam Thoma (17) fechten mit dem Degen gegeneinander. Die Westen und Masken sind kugelsicher, so dass auch durch einen Stich mit dem Degen keine Verletzungsgefahr für die Sportler besteht. Foto: Kathrin Heeren

Von Kathrin Heeren (Westfalenblatt / Bünder Zeitung 17.8.16)

Kirchlengern (WB). Während andere Schüler die Ferien nutzen, um auszuschlafen, joggen 23 motivierte Kinder und Jugendliche am frühen Dienstagvormittag durch Quernheim. Danach gibt es nicht etwa eine Pause, sondern jede Menge harte Beinarbeit. Die Reaktions- und Koordinationsfähigkeit wird geschult. »Das ist beim Fechten wichtiger als alles andere«, sagt Trainer Tiberio Rapolti.

Trotz des harten Trainings im Rahmen der Ferienspiele beim Quernheimer Fechtclub meckern die Kinder und Jugendlichen nicht. Sie haben sogar sichtlich Spaß an den Übungen. Und das, obwohl ihr Trainer auf Disziplin besteht. »Wir arbeiten hier mit Waffen, da ist ein respektvoller Umgang miteinander wichtig. Auch gemobbt wird hier keiner. Alle werden gleich behandelt«, sagt der 56-Jährige.

Auch wenn immer noch viele Menschen beim Thema Fechten zuerst an Burschenschaften denken und an Studenten, die durch einen Schmiss, also die typische Schnittverletzung, ihre Zugehörigkeit zu akademischen Kreisen ausdrücken wollen, schüttelt Tiberio Rapolti nur den Kopf: »Vor Schnittverletzungen im Gesicht oder am Körper muss niemand Angst haben. Fechten ist eine der sichersten Sportarten auf der Welt. Es gibt viel seltener Unfälle als zum Beispiel beim Fußball«, sagt er und demonstriert sogleich die Westen und Masken.

»Die Westen sind aus schusssicherem Material, wie Polizeiwesten. Sie sind 800 Newton stark. Die Masken sogar 1600 Newton. Da kann man nicht durchstechen«, erklärt Rapolti, der bei der Trainingsstunde Unterstützung von Max Noetzel (24) und Dennis Grothklaus (27) erhält.

Gemeinsam leiten sie die Jungen und Mädchen zwischen sechs und 20 Jahren in dieser Woche beim Training an. »Man braucht wirklich gute Kondition. Aber das ist nicht alles. Fechten ist ein Kopfsport. Erst denken, dann bewegen, lautet die Devise« sagt Rapolti.

Er beobachte, dass Kinder, die regelmäßig zum Fechten kommen, besser in der Schule seien. Die 13-jährige Emily ist seit fast einem Jahr dabei: »Ich hatte immer solche Rückenprobleme. Dann hat mein Arzt mir gesagt, ich soll doch mal zum Fechten gehen. Seitdem ist es besser und es macht total Spaß hier.«

Ruby (11) hat vorher Fußball gespielt, findet am Fechten aber vor allem gut, dass »man nur für sich selbst zuständig ist, nicht für die ganze Mannschaft.«

Während der Vormittag komplett fürs Aufwärmen, für Spiele und Beinarbeit genutzt wird, stehen am Nachmittag Fechtübungen an. Die Westen der Sportler werden verkabelt und an der Fechtanlage angeschlossen. Diese blinkt sofort auf, wenn ein Spieler getroffen wird. »Aber auch ohne Anlage sind die Spieler fair und sagen sofort Bescheid, wenn sie getroffen wurden«, sagt Rapolti. Er zählt zu den wenigen hauptberuflichen Fechttrainern in Deutschland.

Derjenige, den der Spaß an der Bewegung antreibt, ist bei ihm genauso richtig, wie derjenige, der von Titeln und Turnieren träumt. Als Leistungsstützpunkt für Degen arbeitet der Verein eng mit den Schulen der Gemeinde Kirchlengern zusammen und sucht regelmäßig nach neuen Talenten. Wer Interesse hat, erhält weitere Infos beim Verein unter www.quernheimerfc.de oder kann einfach Dienstag von 15.30 bis 19.30 Uhr oder Freitag von 16 bis 18 Uhr in der Sporthalle Quernheim vorbeischauen.